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Verkaufe ich meine Immobilie privat oder nutze ich die Dienstleistung eines Immobilienmaklers?

… oder beauftrage ich besser gleich mehrere Makler?

Vor kurzem erreichte mich ein Anruf eines Immobilien-Eigentümers, der mich noch Tage später den Kopf schütteln ließ. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Herrn Schmidt.

Herr Schmidt begrüßte mich zunächst sehr überschwänglich. Er habe ein Haus in XY zu verkaufen und beschrieb es in den blumigsten Farben. Seiner Recherche nach, gibt es in der ganzen Region nichts Vergleichbares. Ob ich denn Interesse hätte mir das Haus einmal anzusehen. Bei der Gelegenheit würde er mir dann schon erklären, welchen Wert sein Haus hätte.

So ganz nebenbei erwähnte Herr Schmidt, dass er sein Haus bereits privat im Internet anbieten würde. Hier hakte ich ein und fragte ihn gezielt, warum er denn nun noch einen Makler einschalten wollte. „Ach wissen Sie“, so Herr Schmidt, „80% der Leute die sich da so melden, können Sie abhaken. Die wollen ja nichts zahlen, sondern nur mal gucken.“ Hier lag also der Hase begraben. Es gab Nachfrage, aber keinen Käufer. Herr Schmidt plauderte munter weiter: „Ihr Makler macht doch immer Werbung für Eure großen Kundenkarteien, da wird doch einer für mein Haus dabei sein. Ich rufe jetzt einfach mal alle Makler an und lass die kommen.“ Der weitere Verlauf des Gesprächs war nicht so, wie Herr Schmidt sich das vorgestellt hatte.

Aus Sicht eines Immobilien-Eigentümers ist es natürlich legitim zu versuchen seine Immobilie privat zu verkaufen oder gleich mehrere Makler zu beauftragen, um sich aus den großen Töpfen mit Interessenten zu bedienen. Doch bringt Viel auch wirklich den gewünschten Erfolg?

In Wahrheit ist es ein Irrglaube zu vermuten, dass die Verkaufschancen potentiell mit der Anzahl der beauftragten Makler steigen. Die Summe der Interessenten für einen bestimmten Immobilien-Typ in einer bestimmten Lage ist begrenzt. Hand aufs Herz: wo kommen die Interessenten her? Im heutigen Zeitalter des Internets … genau über dieses Kanal. Dem Suchenden stehen über das Internet eine Vielzahl von Suchmöglichkeiten zur Verfügung und so treffen sie zwangsläufig auch auf Maklerunternehmen, die entsprechende Gesuche in ihrer Kartei aufnehmen. Der Suchkunde registriert sich nicht nur bei einem Makler, sondern bei möglichst vielen, um seine Chancen, fündig zu werden, zu erhöhen. Ihre Immobilie wird also nicht mehr Interessenten, sondern immer den gleichen Interessenten angeboten. Das Fatale dabei: oft zu unterschiedlichen Konditionen und Flächenangaben.

Dies löst bei den Kauf-Interessenten zweierlei aus. Zum einen eine Verunsicherung, ob mit dieser Immobilie etwas nicht stimmt, weil sie wie „an jeder Ecke“ angeboten wird. So entsteht eine gewisse Zurückhaltung seitens der Interessenten. Man erhofft sich z.B. zeitnahe Preisreduzierungen. Zum anderen besteht Verunsicherung wie man sich den anbietenden Maklern gegenüber verhalten soll, wenn man das Exposé mehrfach erhalten hat. Entscheidet man sich irgendwann für einen Kauf dieser Immobilie, ist man u.U. mehrfach provisionspflichtig. Nun denken Sie vielleicht der Kunde muss doch bereits bei der Anfrage merken, dass es die gleiche Immobilie ist. Da liegen Sie leider falsch. Viele Kunden scannen nur flüchtig über die Immobilienportale und stellen Anfragen. Ich erlebe es regelmäßig in Telefonaten nach einer eingehenden Anfrage, dass Kunden gar nicht wissen über welche Immobilie wir sprechen.

Privat verkaufen oder mit Makler ?

Wenn Sie sich persönlich nicht zutrauen Ihre Immobilie privat zu verkaufen und sich für die Zusammenarbeit mit einem Makler entscheiden, dann suchen Sie gerne das Gespräch mit mehreren Maklern. Machen Sie sich ein Bild und entscheiden sich dann für einen. Was aber zeichnet einen professionellen Immobilienmakler aus?

Marktkenntnis & Bewertung: Ein guter Immobilienmakler kennt den Markt vor Ort, kann Auskunft über Marktentwicklung sowie Angebot und Nachfrage geben. Er erstellt vor Auftragsbeginn eine Marktwertanalyse für Ihre Immobilie und setzt so den richtigen Verkaufspreis an. Vorsicht vor Maklern, die Ihnen das „blaue vom Himmel“ versprechen und zu überhöhten Preisen frei nach dem Motto „den Preis senken können wir ja immer noch“ arbeiten.

Qualifikation: Leider ist das Berufsbild des Immobilienmaklers in Deutschland noch immer nicht gesetzlich geregelt. Es gibt keine Ausbildungsverpflichtung. Praktisch jeder, der sich nichts zuschulden hat kommen lassen, kann eine Zulassung erhalten. Ein guter Immobilienmakler hat entsprechende Qualifikationen und bildet sich regelmäßig fort.

Verbandszugehörigkeit: Ist der Immobilienmakler Mitglied eines Bundesverbandes? Denn diese Verbände prüfen eingehend die Qualifikation ihrer Mitglieder.

Referenzen: Informieren Sie sich über die bisherigen Vermittlungen des Immobilienmaklers sowie über abgegebene Bewertungen bisheriger Kunden

Leistungen: Ein professioneller Immobilienmakler informiert ausführlich über sein Leistungspaket und hält seine Auftraggeber während des Auftrags über all seine Aktivitäten stets auf dem Laufenden

Schriftliche Vereinbarungen: Alle Vereinbarungen zwischen Ihnen und dem Immobilienmakler wird dieser schriftlich dokumentieren, ob dies nun die vereinbarte Provision oder sonstige wichtige Vereinbarung zu Ihrer Immobilie sind

Haftpflicht: Ein professioneller Immobilienmakler sollte auf jeden Fall eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben

Website & Arbeitsproben: Die Website ist die Visitenkarte des Immobilienmaklers im Internet, gibt Ihnen einen ersten Aufschluss über seine Arbeitsweise. Wie präsentiert der Immobilienmakler seine Immobilien-Angebote? Ist die Website aktuell? Bietet der Makler weitergehende Informationen? Lassen Sie sich Werbematerialien wie gedruckte Exposé-Broschüren zeigen.

Die Chemie: Ein nicht zu unterschätzender Punkt in der Zusammenarbeit. Nicht immer ist man sich sympathisch, nicht „jeder kann mit jedem“. Die gute Chemie ist aber eine wichtige Basis für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Nicht immer ist der Makler mit dem größten, schönsten Ladengeschäft und dem prall gefüllten Angebot auf seiner Website die bessere Wahl. Ein professionell arbeitender Makler sammelt keine Aufträge, sondern vermittelt erfolgreich.

Und wie ist Herrn Schmidts Geschichte ausgegangen? Darüber dürfen wir spekulieren ….

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